Ich muss also meine Erde erneuern, ohne Schlepperei von kiloschweren Erdsäcken. Ich habe mich entschieden einen Kompost auf dem Balkon anzulegen. Dabei muss man einiges beachten. Einfach nur Küchenabfälle in einen Topf werfen und verrotten lassen reicht nicht. (Ich spreche aus Erfahrung) Der Kompost muss die Möglichkeit haben zu vererden.
Diese Anleitung hat mir bei meinem Vorhaben geholfen. Und so sah es bei mir aus:

Material für den Minikompost
Ich habe aus Weide einen Korb geflochten. Eigentlich ist es einfach ein Zylinder. Er braucht keinen Boden, weshalb es ziemlich einfach ist. Die Äste habe ich im Kreis in die Erde gesteckt, und mit den biegsamen Weidenästen geflochten. Das Ergebnis ist nicht besonders schön, aber es erfüllt seinen Zweck. Der Korb bildet die Abgrenzung zwischen Erde und den organischen Abfällen.
Um den Kompost abzudecken habe ich einen Deckel geflochten. Diesen habe ich aus Peddigrohr angefertigt und mir dabei etwas mehr Mühe gegeben, denn der Deckel ist, im Gegensatz zum Korb, am Ende sichtbar.
Der Korb wird in einen großen Kübel gestellt. Dann füllt man Erde um den Korb herum. Fertig ist der Minikompost. Je nach Größe des Balkons kann man seinen Kompost anpassen. Mein Kübel hat oben einen Durchmesser von etwa 50 cm.

fertiger Balkonkompost
Der Kompost ist sicher nicht für die Verwertung sämtlicher Küchenabfälle geeignet. Das kann man auf einem Balkon nicht leisten. Aber es ist ausreichend, um die verbrauchte Blumenerde aufzuwerten ohne ständig neue kaufen zu müssen.
Terra Preta im Minikompost
In meinen Kompost fülle ich neben Küchenabfällen auch ab und zu eine Schicht Pflanzenkohle ein, um Terra Preta herzustellen. Seit dem ich das Buch von Ute Scheub gelesen habe, möchte ich das probieren und nun fange ich damit an. Die Pflanzenkohle in der Erde wirkt wie ein Schwamm. Darin können sich Mikroorganismen ansiedeln, die für eine bessere Zersetzung der organischen Abfälle sorgen. Außerdem speichert Terra Preta durch die enthaltene Pflanzenkohle das Wasser besser.

Der Korb bietet ausreichend Platz für Küchenabfälle.
Um dem Kompost Mikroorganismen hinzuzufügen, kann man aktive Joghurtkulturen mit Wasser verdünnt zugeben. Auch eine Mischung aus Hefe, Zucker und Wasser kann helfen. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf von fertiger Terra-Preta-Streu, die bereits mit EM (Effektiven Mikroorganismen) angereichert ist.
Auch Regenwürmer dürfen im Kompost nicht fehlen. Sie sind hauptverantwortlich für die Vererdung. Ich habe mir welche aus dem Garten mitgebracht. Das Argument „Armer Regenwurm, im kleinen Topf eingesperrt.“ möchte ich hier nicht gelten lassen, denn ich denke, dass der Kübel groß genug ist, um den Regenwürmern Lebensraum zu bieten. Um Nahrung müssen sie sich jedenfalls keine Sorgen machen.
Den Rand des Kübels kann man bepflanzen – mit Kräutern oder saisonal wechselnden Blühpflanzen. Ich habe erst einmal die Petersilie reingesetzt.

Die Petersilie wirkt ein wenig geknickt nach dem Einpflanzen.
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„Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ von Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt ist vor Kurzem im oekom Verlag erschienen. Das Buch ist ein Augenöffner, der den Leser nicht mit dem schalen Gefühl des Nichtstunkönnens zurücklässt. Es gibt eine konkrete Anleitung, wie jeder etwas zur Klimarettung beitragen kann.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Grundlagen vermittelt. Dabei geht es um die Zerstörung, welche die konventionelle Landwirtschaft anrichtet, nämlich den Boden nachhaltig in Dreck zu verwandeln, ohne ihn wieder fruchtbar zu machen. Da ich mich bisher wenig mit den Folgen konventioneller Landwirtschaft auseinander- gesetzt habe, war dieses Kapitel durchaus ein Aha-Erlebnis. Menschen, die mit dem Thema vertraut sind, können es ja einfach überspring- en.
Außerdem wird die Herkunft von „Terra Preta“ dargestellt. Die Hochkulturen am Amazonas basierten auf dieser fruchtbaren Erde, denn durch sie konnte ein Nahrungsmittelüberschuss produziert werden, der Basis jeder großen Zivilisation ist.
Im zweiten Teil des Buches wird eine konkrete Anleitung zum Klimagärtnern gegeben. Die Autoren nennen dieses Prinzip Klimagärtnern, weil es eben nicht nur guten, fruchtbaren Boden erzeugt, sondern Kohlendioxid dauerhaft im Boden speichert.
Die Terra Preta ist nach Aussage der Autoren keine sagenumwobene Wundererde, wie sie gelegentlich genannt wird. Jeder kann sie herstellen und verwenden, egal ob im Garten, auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett. Die Autoren warnen vor windigen Geschäftemachern, die sich den Begriff „Terra Preta“ schützen lassen und die Substrate dann teuer verkaufen.
Dabei kann man Terra Preta ganz einfach selbst herstellen. Man benötigt dazu Küchenabfälle, Pflanzenkohle und Mikroorganismen. Auch wie man die Pflanzenkohle selbst herstellen kann, wird im Buch beschrieben.
Bei der Terra-Preta-Herstellung spielen auch menschliche oder tierische Hinterlassenschaften eine Rolle. Die Autoren sind sich sehr wohl bewusst, dass dieses Thema sehr sensibel ist. Sie sprechen das Tabu an, weisen im Buch jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Terra-Preta-Herstellung auch ohne menschliche Fäkalien funktioniert.
Anhand von Beispielen aus aller Welt wird gezeigt, wie eine andere Landwirtschaft machbar ist. Die Autoren schreiben über die Auswirkungen des Klimagärtnerns auf die menschliche Gesellschaft:
Und schließlich verbessert sich durch gemeinsames Gärtnern das Klima zwischen den Menschen. … Terra-Preta-Gärtnern ist sinnlich, ethisch, ertragreich, tut gut, ist gesund und kann die Entfremdung zwischen Mensch und Natur aufheben. Kurz: Es macht glücklich.
Fazit: Verständlich, teils humorvoll geschriebene Anleitung zur Rettung der Welt. Eine absolute Leseempfehlung für jeden Gärtner.
Hier noch ein Video zum Thema:
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